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23.07.2002 (Archiv)

Worldcom-Krise

Nach Expertenmeinung laufen rund 50 Prozent des weltweiten Web-Traffics über Leitungen von WorldCom. Steht nach der Insolvenz des US-Konzerns nun das Internet vor einer Zerreißprobe?

Vorerst kann Entwarnung gegeben werden: Das in eine schwere Krise geschlitterte US-Unternehmen darf ohne Zustimmung der US-Regulierungsbehörde für Telekommunikation weder Dienste einstellen noch Bereiche verkaufen.

Sollten inländische Telefondienste abgeschaltet oder abgestoßen werden, müsse WorldCom mindestens 30 Tage zuvor die Zustimmung der Regulierungsbehörde einholen, erklärt der Leiter der Federal Communications Commission (FCC)in einem Brief an WorldCom-Chef John Sidgemore. Bei internationalen Diensten gelte sogar eine 60-Tagesfrist. Daran ändere auch das laufende Insolvenzverfahren nichts.

WorldCom-Boss John Sidgmore beteuert ebenfalls, dass es zu keinen Unterbrechungen oder Netzwerk-Ausfällen kommen werde. Die Geschäfte der angeschlagenen WorldCom gehen inzwischen trotz Pleite weiter: Einen Tag nach dem Insolvenzantrag hat der US-Telekomkonzern am Montag die richterliche Genehmigung für eine Zwischenfinanzierung von bis zu zwei Milliarden Dollar (1,97 Mrd. Euro) erhalten.

Damit wird das Unternehmen sein Geschäft fortführen. Das Geld soll von Citigroup, J.P. Morgan Chase und General Electric kommen. WorldCom hatte am Sonntag nach Fehlbuchungen in Milliardenhöhe Gläubigerschutz beantragt und damit für die größte Firmenpleite in der US-Wirtschaftsgeschichte gesorgt.

Betroffen sind von der größten Insolvenz der US-Geschichte 20 Millionen amerikanische Ferngesprächs- und Tausende von Unternehmenskunden sowie Gläubiger mit Gesamtforderungen von weit mehr als 30 Milliarden Dollar (29,8 Mrd. Euro).

Nach den Skandalen der vergangenen Monate schließt niemand mehr neue dramatische Enthüllungen über gefälschte Bücher und korrupte Manager aus. Und auch wenn sich WorldCom mit seiner Flucht unter das schützende Dach des US-Konkursrechts zunächst einmal etwas Luft verschafft hat, birgt diese größte Firmenpleite der der US-Geschichte, die sogar den Enron-Skandal von Dezember 2001 in den Schatten stellt, unüberschaubare Risiken für die Gesamtwirtschaft.

WorldCom ist jener Konzern, der mit seinen Falsch-Buchungen die derzeitige Welle der Bilanzskandale ausgelöst hat. Den Gerichtsunterlagen zufolge führte WorldCom Vermögenswerte in Höhe von 107 Milliarden Dollar (106,4 Mrd. Euro) sowie Schulden von 41 Milliarden Dollar an. Der Konzern hatte mit Hilfe von Falschbuchungen in Höhe von 3,85 Milliarden Dollar tatsächliche Verluste für das Jahr 2001 und das erste Quartal dieses Jahres in hohe fiktive Gewinne verwandelt.

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