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Aktuelles  31.05.2017

Weniger rational am Computer

Ein Handy lässt seinen Nutzer bei schweren Entscheidungen rationaler handeln als ein Desktop-PC. Die größere psychologische Distanz am Mobilgerät sorgt unter anderem dafür, dass User Krisensituationen besser einschätzen.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der City University of London in ihrer aktuellen Studie. 'Es ist nicht so einfach erklärbar, warum man am Handy rationaler handelt als am PC. Ich denke, dass es da eine 'intervenierende Variable' geben könnte, die diese Korrelation vortäuscht. Am Beispiel Storch und Geburt: Wo es mehr Störche gibt, gibt es mehr Geburten. Die intervenierende Variable ist 'Landbewohnung'. Auf dem Land gibt es mehr Kinder und auch mehr Störche, aber der Storch bringt trotzdem nicht die Kinder. Es liegt daher nahe, dass man bei der Interpretation der aufgezeigten Zusammenhänge vorsichtig sein sollte', erklärt Psychologe Wolf-Dietrich Zuzan gegenüber pressetext.

In einem Experiment haben die Forscher 1.010 Probanden auf diverse Szenarien - entweder am PC oder am Smartphone - reagieren lassen. Danach verglichen die Studienautoren die Reaktionen an den unterschiedlichen Geräten miteinander. Gefragt wurde etwa, wie man reagieren würde, wenn ein fahrerloser Zugwaggon auf fünf Menschen zurast und man die Chance hätte, einen einzigen Mann von einer Brücke zu stoßen, um den Waggon aufzuhalten und somit das Leben von fünf Menschen zu retten, während der eine Mann stirbt.

Die rationalste Antwort ist, einen einzigen Menschen für die anderen fünf zu opfern. 33,5 Prozent der Smartphone-User entschieden sich für diese Antwort, während nur 22,5 Prozent der Probanden am Desktop-PC dies für richtig hielten. In einer ähnlichen Frage hätte man die Chance gehabt, einen Hebel zu betätigen, der bewirkt, dass der Zug nicht mehr auf die fünf Menschen zurast, sondern durch den verursachten Gleiswechsel einen einzigen Fußgänger tötet.

Bei diesem Szenario lagen die Antworten näher zusammen. Rund 81 Prozent der Smartphone-User entschieden sich für das Opfern des einzelnen Menschen. Unter den PC-Nutzern stimmte man mit rund 77 Prozent ebenfalls dafür. Auch in zahlreichen weiteren Szenarien wählten die Teilnehmer, welche die Fragen an einem Smartphone beantworteten, die rationalste Antwortmöglichkeit.

'Wir haben in unserer Studie herausgefunden, dass Menschen, die ein Smartphone benutzen, um klassische moralische Probleme zu betrachten, eher nüchterne, rationale Entscheidungen treffen, wenn es um ein hochemotionales Dilemma geht. Das könnte am erhöhten Zeitdruck, der oft mit Smartphones in Verbindung gebracht wird, liegen oder mit einer höheren psychologischen Distanz, die auftaucht, wenn wir Mobilgeräte nutzen statt eines PCs', erklärt der Studienautor Albert Barque-Duran.

'Eine Ursache könnte im stärkeren Handlungsdruck und dem unmittelbaren Feedback von Gesprächspartnern am Handy sein. Man hat daher weniger Zeit, sich zu verstellen. Auch fällt es schwerer, sich spontan geäußerte Unwahrheiten zu merken und in ihren Konsequenzen durchzudenken. Es ist die Unmittelbarkeit der Reaktion. Das sind aber nur Hypothesen. Spontan sind auch Gefühle. Und je mehr Zeit man hat, umso leichter kann man Gefühle verbergen', resümiert Zuzan.

Der Wissenschaftler Albert Barque-Duran erinnert abschließend daran, dass das soziale Leben, die Arbeit und sogar Einkaufstouren mittlerweile hauptsächlich online geschehen und sich Menschen in diesem Kontext Gedanken machen müssen, inwiefern sich die Wahl des Gerätes auf die persönlichen Entscheidungen letztendlich auswirkt.

pte/red

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#Studie #Smartphones #Computer #Psychologie


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