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Aktuell  06.06.2012 (Archiv)

Propaganda mathematisch enttarnt

Forscher des Gerogia Institute of Technology haben in einer Studie die Verwendung von Twitter als Propagandamedium untersucht. Wahlkampf-Verbreiter konnten damit leicht identifiziert werden. Wünsche an Medien pendeln zwischen Zensur und freier Meinung.

Die Analyse von über 100.000 Tweets zum Wahlkampf in Nevada 2010 und zur politischen Debatte um die US-Schuldendeckelung vom vergangenen Jahr hat ergeben, dass Twitter-Propaganda einfach zu entlarven ist. Die für die Studie verwendeten Algorithmen verwenden verschiedener Merkmale, die eine Identifizierung von Usern, die Propaganda verbreiten ermöglichen.

'Dass Twitter und andere soziale Medien als Propagandainstrumente verwendet werden, steht außer Frage. Die Besonderheiten bei den neuen Medien sind die Möglichkeit zu antworten und die Notwendigkeit einer bewussten Entscheidung seitens der User, einem Aussender von Botschaften zu folgen', sagt Rainer Gries von der Universität Wien gegenüber pressetext. Laut dem Experten wollen durchaus einige Menschen freiwillig Propaganda konsumieren, weshalb Twitter sich überhaupt erst zur Verbreitung eignet. Diesen Propaganda-Usern obliegt es, verantwortlich mit den Informationen umzugehen.

'Normalerweise kann Propaganda anhand von spezifischen Markern erkannt werden. Manchmal fehlt diese Kennzeichnung aber, gerade im Netz. Als Hausübungshilfe-Anbieter getarnte Portale, die nationalsozialistische Propaganda verbreiten beispielsweise, sehen von außen unauffällig aus. Hier sind Gesellschaft, Medien, Wissenschaft, Bildungssystem und soziale Medien gefordert, die User zur Mündigkeit zu erziehen', so Gries. Twitter ist ein Paradebeispiel für ein Medium, das hohe Ansprüche an die Eigenverantwortung der Nutzer stellt. Wem ein User folgt und wem nicht, muss er immer selbst entscheiden.

Laut den Forschern aus Georgia verraten sich Propaganda-verbreitende User oft durch große Volumina von Nachrichten, die in kurzer Zeit verschickt werden. Weitere Anzeichen sind häufige Retweets ohne Kommentare und kurz nachdem das Original erschienen ist sowie das mit anderen koordinierte zeitgleiche Verschicken von identischen oder beinahe identischen Nachrichten zum selben Thema. 'Schon Schüler sollten den Umgang mit den Medien lernen. In Österreich gibt es, anders als in Deutschland, leider keine Institution für politische Bildung, die koordiniert für Bildung in Sachen Mediennutzung sorgt', erklärt Gries.

Mündige User können Propaganda in sozialen Medien leicht entlarven. 'Durch die Möglichkeit zu antworten, entsteht oft eine Dynamik, die Diskussionen auslöst und so zur politischen Bildung beitragen kann', sagt Gries. In der US-Studie wurden moderne politische Auseinandersetzungen untersucht, weshalb eine weit gefasste Definition von Propaganda verwendet wurde. 'Propaganda im engeren Sinn gibt es nur unter Laborbedingungen, also in abgeschlossenen Systemen, beispielsweise Nordkorea. Schon im Nationalsozialismus oder im modernen China ist die absolute Meinungshoheit nicht möglich. Hier kommt schon die Verantwortung der Nutzer ins Spiel', so Gries.

Aber auch die Online-Plattformen selber sind gefordert, gegen anrüchige Formen von Propaganda vorzugehen. 'Google etwa filtert nationalsozialistische Propaganda. Leider spricht der Konzern nicht darüber. Das Filtern ist intransparent, was schlecht für die Gesellschaft ist', erklärt der Propagandaexperte. Noch dazu setzt Google auch die nationalen Wünsche um, was auch etwa in Deutschland zur Zensur von Inhalten in Google führt. Bei Facebook wiederum gibt es neue Spamfilter, die Nachrichten nicht sofort durchgehen lassen. Oft werden hier sogar 'spammy' Kommentare abhängig vom Leser ausgeblendet - die Filterung erfolgt also nicht durchgängig.

pte/red

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#Twitter #Facebook #Google #Zensur #Meinung #Wahlkampf #Propaganda #Filter



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