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Technik  06.03.2013 (Archiv)

Social Networks ohne zentrale Datenbank

Es gab schon Initiativen im Open Source-Umfeld, die eine Art Facebook gebaut haben, ohne auf zentrale Server angewiesen zu sein. Daten wurden P2P weitergereicht, blieben also im Verantwortungsbereich der User selbst.

Diaspora und Co. wurden aber nicht fertig, die Entwickler schafften kein fertiges Produkt. Nun kommt neuer Auftrieb aus der Forschung. Der Boom sozialer Netzwerke hat einen etwas bitteren Beigeschmack. Denn für Unternehmen wie Facebook sind Nutzerdaten letztlich die Ware, aus der sie beispielsweise durch personalisierte Werbung Kapital schlagen können, um den Betrieb ihrer Rechenzentren zu finanzieren. Das schmeckt Usern aber nicht unbedingt, wenn sie auf Datenschutz und Privatsphäre großen Wert legen. Dazu kommt das Problem, dass durch Lecks Daten auch an Personen gelangen, mit denen sie die Poster eigentlich gar nicht teilen wollten.

Deutsche Forscher stellen soziale Netzwerke in Aussicht, bei denen User ihre Daten nicht auf eine zentrale Datenkrake wie Facebook hochladen müssen. Denn sie haben ein P2P-Rahmenwerk (Peer-to-Peer) für soziale Netzwerke entwickelt, bei dem die Mitglieder die nötigen Ressourcen für den Betrieb bereitstellen. 'Der wesentliche Vorteil liegt in der Sicherheit der Daten', betont Kalman Graffi, Juniorprofessor im Bereich Technik sozialer Netzwerke an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Denn es können wirklich nur die auf Informationen zugreifen, für die sie bestimmt sind.

Für Betreiber eines Netzwerks ist der dezentrale Ansatz interessant, da keine hohen Server-Kosten anfallen. Theoretisch könnte das Projekt, an dem auch Informatiker an der Universität Paderborn mitwirken, so selbst Facebook Konkurrenz machen. Der Projektschwerpunkt liegt laut Graffi aber eher auf Kollaboration über soziale Netzwerke, beispielsweise im Bereich E-Learning oder für globale Arbeitsgruppen.

Der P2P-Ansatz verspricht Abhilfe, indem er teure, zentrale Server für soziale Netze dank deren Community überflüssig macht. 'Jeder Nutzer stellt ein kleines bisschen Bandbreite, Speicherplatz und Rechenkapazität zur Verfügung, ähnlich wie in Skype, sodass zusammengerechnet genügend Ressourcen vorhanden sind', erklärt Graffi. Gleichzeitig schützt die Lösung alle Inhalte effizient. 'Damit keiner Daten missbrauchen kann, ist alles verschlüsselt und signiert', so der Informatiker. Ein Foto oder Posting kann somit wirklich nur genau die Personen einsehen, die vom Uploader die Berechtigung bekommen haben.

Ein Prototyp der Software ist bereits an den beteiligten Universitäten im Einsatz. Mit der Präsentation des Projekts auf der CeBIT hofft das Team, Partner aus der Industrie oder dem öffentlichen Sektor zu finden, die das P2P-Netzwerk beispielsweise als Kollaborationslösung einsetzen wollen. Prinzipiell seien die möglichen Anwendungsgebiete vielseitig. Er verweist beispielsweise auf den Wert sozialer Netzwerke als Kommunikationsplattform für NGOs in totalitären Staaten. Der dezentrale Ansatz könnte hier sehr gut vor einer Totalabschaltung schützen.

Freilich befindet sich das Projekt noch in einem frühen Stadium und es sind noch viele Details zu klären. Die Nutzeroberfläche beispielsweise wirkt bei einer Demonstration für pressetext noch etwas überladen und trocken. Auch gibt es keinen Newsfeed über aktuellste Beiträge. Das aber sei dank modularem Aufbau schnell zu lösen, verspricht Graffi. Im Prinzip könnte ein User eine passende App für das System beisteuern. Bei sehr kleinen Netzwerken mit einem knappen Dutzend User müsste wohl ein Rechner immer laufen, um die Verfügbarkeit zu garantieren, während für größere Netze noch nicht ganz klar ist, wie sichergestellt werden kann, dass wirklich genug Speicherplatz verfügbar ist.

pte/red

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#Forschung #Social Networks #Facebook #Diaspora #P2P



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