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Zahlen & Daten  18.11.2015 (Archiv)

Fakes in Facebook bei Unternehmen

Fake-Accounts sind in sozialen Medien mittlerweile so perfekt angelegt, dass sie für großen wirtschaftlichen Schaden sorgen können, denn Unternehmen können sie oftmals nur schwer entlarven.

Erst jüngst hat ein Twitter-Nutzer mit gefakten Studien für einen Eklat unter Aktieninhabern gesorgt. Ein prominentes Beispiel ist der Fall eines 62-jährigen Schotten, der auf dem Kurznachrichtendienst zwei Accounts für nicht existierende Marktforschungsunternehmen erstellte. Diese Profile gaukelten User echte Studienergebnisse vor. Dem Betrüger gelang es auf diese Weise, falsche Infos über Aktien in Umlauf zu bringen. Immer wenn die Preise an der Börse durch seine erfundenen Marktforschungsergebnisse fielen, kaufte er neue Anteile ein. 'Nach der Veröffentlichung seiner Tweets sank der Marktwert eines betroffenen Unternehmens um ganze 16 Prozent', informierte unlängst die U.S. Securities and Exchange Commission in diesem Fall.

'Das Wort Fake-Accounts ist etwas irreführend, denn es lässt eine umfassende Unechtheit vermuten. Fake-Accounts werden aber von Menschen betrieben und sind insofern echt. Darum sind sie kaum als Fake-Accounts zu erkennen, unecht sind nur die Absichten der Menschen. Sie sind Betrügerinnen und Betrüger. Ob andere Menschen in betrügerischer Absicht handeln oder nicht, ist schwer zu erkennen, weil wir als Wesen, die auf die Teilnahme an Gemeinschaften angewiesen sind, anderen Menschen zunächst einmal vertrauen - und in der Regel auch vertrauen können', unterstreicht Medienpsychologe Christian Swertz gegenüber pressetext.

Mit ein paar einfachen Klicks brachte der Schotte alteingesessene Aktieninhaber um rund 1.8 Mio. Dollar (rund 1,675 Mio. Euro). Nun muss sich der Schwindler vor Gericht verantworten. Die manipulative Wirkung von Social Media ist somit nicht zu unterschätzen. Doch nicht nur Betrüger erstellen Fake-Profile. Teenager nutzen den Vorteil solcher falschen Accounts unter anderem auch sehr gerne, um unerwünschten Nachforschungen ihrer Eltern aus dem Weg zu gehen.

Künstlich für die Kunst

Der holländische Konzeptionskünstler Constant Dullaart sorgt derzeit mit einem Projekt auf Facebook für Aufregung. Gemeinsam mit zwei freiwilligen Helfern hat er bereits rund 1.000 gefälschte Profile auf der Seite erstellt, die auf hessischen Soldaten aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg basieren.

Mit der Aktion, die er unter dem Titel 'The Possibility of an Army' in der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt gestartet hat, protestiert er gegen die Vorstellung, dass es im Web oft alleine darum geht, die Anzahl von Likes, Klicks und befreundeten Kontakten als Qualitätsmerkmal heranzuziehen.

'Mit dieser Online-Aktion möchte ich gegen den um sich greifenden Wahn zur Quantifizierung des sozialen Kapitals protestieren', zitiert 'BBC News' Dullaart. Gerade in den sozialen Medien würde den reinen Zahlen oft viel zu viel Wert beigemessen. 'Likes bei Facebook und Instagram, oder Klickzahlen bei YouTube machen Popularität und ästhetische Qualität nicht messbar', betont Dullaart.

Um auf dieses offensichtliche Missverständnis hinzuweisen, habe er sich dazu entschieden, tausende Fake-Profile auf Facebook zu erstellen. 'Insgesamt sollen es an die 20.000 werden', verrät der Künstler. Dass ein derartiges Vorgehen ausdrücklich den Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks widerspricht, ist ihm egal. 'Es kann sein, dass Facebook das bemerkt und damit anfängt, die Profile zu löschen', so Dullaart, der aber dennoch davon ausgeht, dass sie zumindest zwei Monate lang online bleiben werden.

Dass die Zahl von Likes, Klicks und befreundeten Kontakten nicht unbedingt ein Indiz für die Bedeutung und Reichweite eines Facebook-Kontos sein muss, hat die Flut an gefälschten Profilen in den vergangenen Jahren gezeigt. Viele Unternehmen sind dazu bereit, enorme Summen zu investieren, um auf diese Weise die Anzahl ihrer Fans zu erhöhen.

Im Netz gibt es mittlerweile zahlreiche Anbieter, die mit käuflichen Klicks für Facebook, Twitter, YouTube und Co aufwarten. Die Preise variieren je nach Menge und Herkunft der gewünschten Fan-Profile. Angeboten werden teilweise sechsstellige Fanzuwächse. 'Es ist nicht meine Intention, dieses Geschäftsmodell im Rahmen meines Kunstprojekts anzuzapfen. Die Leute müssen aber endlich erkennen, dass das Anlegen von Fake-Profilen ein enorm profitables Geschäft geworden ist. Auch darauf möchte ich mit meiner Aktion hinweisen', merkt Dullaart abschließend an.

pte/red

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#Fakes #Profile #Social Media #Facebook



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