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Web-Technik  14.06.2022

Netzneutralität in Gefahr: Konzerne sollen zahlen

Die EU versucht, den Wunsch der Telekom-Anbieter zu erfüllen, die in die Taschen der großen Tech-Konzerne greifen wollen. Dabei greift die Argumentation zu kurz.

Die Hälfte des Traffics im Internet soll durch Amazon, Facebook und Google verursacht werden - bzw. durch User, die deren Dienste nutzen. Und die User, die dafür bezahlen, sind den großen Providern nicht genug, diese wollen jetzt auch an das Geld der anderen Seite. Und Kommissarin Margrethe Vestager scheint die Bahn zu bereiten, dass das Vorhaben auch am kurzen Weg erreicht werden kann.

Die Argumente klingen aber nur am ersten Blick schlüssig, sind in Wahrheit aber eine Gefahr für das Gleichgewicht im Internet. Das basiert nicht nur auf einem fairen Wettbewerb, sondern eben auch auf Netzneutralität, in der alle Beteiligten gleich behandelt werden müssen. Es muss eben egal sein, welches Paket von wo nach wo transportiert wird, es muss gleich behandelt werden. Schon die Versuche, manche Dienste nicht zu verrechnen (Flatrate für bestimmte Inhalte bei einigen Providern) widerspricht dieser Vorgabe, denn damit werden einige Anbieter bessergestellt.

Nun kommt genau das von der anderen Seite. Das Modell, dass der sich an das Internet anhängende User oder Anbieter für die Leitung und Providerleistung (Weiterleitung) bezahlt, dazwischen aber alle Wege transparent und gleichwertig sind, würde aufgebrochen. Backbone-Provider sollen für den Netzausbau Geld von den großen Techies erhalten - es geht um Milliarden im Jahr. Für die Provider sind solche Diensteanbieter dann wertvoller als andere und bekommen klarerweise somit auch Vorrang. Wenn ein Paket mehr Wert ist als ein anderes ist logisch, welches bevorzugt transportiert wird.


Die Daten im Internet sollen gleichwertig sein. Aber teuer für manche Anbieter.   Foto: Alphaspirit / Adobe Stock

Klar auch, dass die Techkonzerne die Portokasse dafür bedienen, gleichzeitig aber für alle anderen das Internet teurer wird. Denn nicht auszudenken, dass die europäischen Netzbetreiber US-Konzerne belasten, dabei aber andere gratis durchschleusen. Und die US-Netze werden im Umkehrschluss für unsere Anbieter genauso besteuert werden.

Ausserdem wird für einen Dienst eine Zahlung eingefordert, der ohnehin schon einmal bezahlt wurde. Der Endkunde zahlt für den Internetzugang, der dann auf Facebook surft. Facebook willkürlich nocheinmal zahlen zu lassen, wirkt dann grenzwertig.

Dazu kommt, dass der Traffic nicht gleichverteilt ist. Youtube dürfte mit dem Videocontent mehr Traffic verursachen als Facebook. Und im Internet, wo das Meiste an Inhalt ohnehin Pornografie sein soll, sind ganz andere Dienste die, die noch mehr an Videos durch die Leitungen glühen lassen. Und dann wären da noch die Tiktoks und andere Dienste, deren Rechnungsadresse man kaum am Radar hat.

Ausserdem: Was macht man mit den Anbietern, die nicht zahlen? Sperrt man die Pakete und zensiert die Inhalte? Auch kaum vorstellbar. Was allerdings klar ist: Das Vorhaben von Margrethe Vestager ist wenig durchdacht und höchst gefährlich für das Internet. Seit Artikel 13 und der aktuellen Planung zur Aufhebung der verschlüsselten Chats ist das freie Web nicht mehr so in Gefahr gewesen.

Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie hier!

#Zensur #Filter #Europa #Netzneutralität #Netzpolitik



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